Sonntag, 12. Juli 2015

Raimon Weber - Kuckucksmörder



Kuckucksmörder
Raimon Weber

Die Spannung steigt – Der Wahnsinn siegt


Gelesen: Januar 2015

Allgemeines

Verlag: Ullstein Taschenbuch
Erscheinungsdatum: 14.11.2014
Format: Taschenbuch
Sprache: Deutsch
ISBN: 3548285341
Seiten: 288
Preis: 9,99 €





Klappentext

VATER, MUTTER, KIND UND TOD
Sie sind die perfekten Familien. Glauben alle. Nur er nicht. Er beobachtet sie. Verfolgt sie. Kennt ihre dunkelsten Geheimnisse. Denn er sieht jeden Tritt. Jeden Schlag. Bis er eines Tages selber zuschlägt – als er die Familien als Geisel nimmt und die perfekten Familienväter spurlos verschwinden. Keiner sieht was, tut was. Niemand weiß etwas. Nur die schwerkranke Polizistin Eva Flessner hat einen Verdacht. Was sie nicht ahnt: Er beobachtet auch sie…


Wie weit darf man gehen, um die Grausamkeit aufzudecken?

Mit 288 Seiten haben wir hier einen vergleichsweise kurzen Thriller, der durch spannende und kurzweilige Unterhaltung glänzt. Der überwiegende Teil ist aus der Sicht des Täters geschrieben. Man wird nicht erwarten dürfen, dass man den Thrill bei der Suche nach dem Täter erlebt. Wer Mörder und wer Opfer ist, wird sehr schnell deutlich. Genau aus diesem Grund rückt die Polizeiarbeit auch in eine Nebenrolle. Was beim Lesen etwas schade ist. Man hätte diesen Bereich durchaus etwas mehr ausschmücken dürfen. Eva Flessner wirkt dadurch etwas farbloser, als man sich noch beim Klappentext vorgestellt hat. Zum Ende hin gewinnt ihre Rolle mehr an Form und Farbe und man bekommt auch viel von ihrem Denken mit. Im Hauptteil des Buches bekommt man jedoch meist die Ansichten und Meinungen des Täters mit, der eine Familie quält indem er sie fürsorglich durch den Tag führen möchte. Er entführt die Kinder einer Frau, um ihr zeigen zu können, wie sich ein fürsorglicher Familienvater benimmt, zugleich führt er dem eigentlichen Hausherrn vor, was sein Fehlverhalten war. Seine Taten wirken nicht sinnlos, dass er aktiv gegen eine Grausamkeit vorgehen möchte, kann man verstehen. Aber die Art, wie er dagegen vorgeht, ist absolut inakzeptabel und fern jeder Menschenwürde. Einer Menschenwürde, die laut Artikel 1 des Grundgesetzes auch den Schuldigen von schweren Verbrechen zu steht. Ob es die Absicht des Autors war, hier Zündstoff für Diskussionen zu liefern, konnte man nicht ermitteln. 

Beim Lesen habe ich mich oft gefragt, wie weit man gehen darf, um eine Grausamkeit aufzudecken und dagegen vorzugehen. Man erwischt sich, in manchen Lesemomenten, dabei, wie man den Täter verstehen kann, wie man nicht nur Antipathie empfindet. Jedoch darf man dabei nicht vergessen, dass auch er ein Monster ist. Auch er lässt „seine“ Familien nicht frei entscheiden, wie sie leben wollen.

Raimon Weber wurde 1961 geboren und hat bereits unter seinem Namen, aber auch unter Pseudonym Bücher veröffentlicht. Seine Figuren sind meist Durchschnittsmenschen, die durch unvorhergesehene, unmenschliche Gegebenheiten zu „Helden“ werden. Dies ist auch im „Kuckucksmörder“ deutlich. Beide Protagonisten und auch die Familien, die zum Opfer oder Beinaheopfer werden, sind keineswegs aus der Oberschicht der Gesellschaft. Es sind ganz normale Menschen, ganz normale Familien. Das Grauen liegt im Verborgenen, im Unerkannten. Die Durchschnittlichkeit der Personen macht es dem Leser leicht, sich mit ihnen zu vergleichen, Sympathien oder Antipathien zu spüren. Gleichzeitig wird man dadurch aber auch in das Buch hineingezogen und verpasst den Moment des Schlafengehens, um am nächsten Tag ausgeruht zur Arbeit zu kommen. 

Den Thriller umgeben eine düstere Stimmung und ein ernstes Thema. Er ist spannend erzählt, fällt am Ende jedoch ziemlich schnell ab. Liest man den Epilog, lässt einen das Gefühl jedoch nicht los, dass Weber diese Geschichte noch nicht zu Ende erzählt hat, dass es noch spannende und interessante Elemente im Leben von Täter und Opfern gibt. Vielleicht gibt es bald „KuckucksmörderII“?!

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