Freitag, 6. November 2015

Max Rhode - Die Blutschule *Rezension*



Die Blutschule
Max Rhode

Der Wahnsinn kommt Stück für Stück


Gelesen: Oktober/November 2015

Allgemeines

Verlag: Bastei Lübbe
Erscheinungsdatum: 08.10.2015
Format: Paperback
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3-404-17267-2
Seiten: 255
Preis: 12,99 €


Foto: Bastei Lübbe


Klappentext:

Eine unbewohnte Insel im Storkower See

Eine Holzhütte, eingerichtet wie ein Klassenzimmer

Eine Schule mit den Fächern: Fallen stellen. Opfer jagen. Menschen töten.

Die Teenager Simon und Mark können sich keinen größeren Horror vorstellen, als aus der Metropole Berlin in die Einöde Brandenburgs zu ziehen. Das Einzige, worauf sie sich freuen, sind sechs Wochen Sommerferien, doch auch hier macht ihnen ihr Vater einen Strich durch die Rechnung. Er nimmt sie mit auf einen Ausflug zu einer ganz besonderen Schule. Gelegen mitten im Wald auf einer einsamen Insel. Mit einem grausamen Lehrplan, nach dem sonst nur in der Hölle unterrichtet wird...
Text: Bastei Lübbe

Der Wahnsinn kommt Stück für Stück und die Härte kommt am Ende


Spätestens seit Erscheinen seines neuen Thrillers ist es kein Geheimnis mehr. Max Rhode … das ist Sebastian Fitzek. Der „German King of Thrill“ geht fremd und schreibt eine mystische Horrorgeschichte.

Die Kapitel sind, ganz Fitzek-like, ziemlich kurz gehalten und machen am Ende immer wieder Lust auf mehr, Lust auf das nächste Kapitel. Wobei ich die Cliffhanger oft gar nicht so sehr horrormäßig fand. Das Thema, die Umsetzung und die Gedanken, die man sich beim Lesen unweigerlich macht, sind hingegen schon der Horror schlechthin. Viele Leseratten und Bücherwürmer haben dieses Buch mit Stephen King verglichen. Da mir hier der Vergleich fehlt, kann ich nicht sagen, bei wessen Büchern das Einschlafen nach dem Lesen schwerer fällt.

Der Lesefluss bei Max Rhode war jedenfalls total zügig. Das liegt auch an seiner anschaulichen, psychologisch top recherchierten, aber nicht zu wissenschaftlich dargestellten Schreibweise.





Während dem Lesen stellt man sich auch immer mal wieder Grundsatzfragen und bekommt Denkanstöße. Einen dieser Nachdenk-Momente hatte ich auf Seite 99, als der Autor folgende Worte zu Papier brachte:


„Manchmal frage ich mich, ob diese Tatsache nicht das Grausamste an unserem Dasein ist. Nicht der Tod und die ihm vorrausgehenden Schmerzen, sondern der Fakt, dass ganz gleich, welche Schicksalsschläge das Leben für uns bereithält, die Uhren niemals innehalten. Nicht einmal für einen Wimpernschlag. Dabei hat das Universum doch alle Zeit der Welt. Wäre der Unfalltod eines Menschen nicht viel einfacher zu ertragen, wenn sämtliche Autos für einen Moment stehen blieben? Wenn die Wellen, die das Kind ertränkten, nicht mehr rauschten? Nur für eine kurze Zeit, wenigstens die Trauerfeier über, bis der Sarg sich in das Grab gesenkt hätte. Wird uns die Bedeutungslosigkeit unseres Daseins nicht allein dadurch gewiss gemacht, dass wir neben dem Totenbett eines geliebten Menschen im Krankenhaus stehen und gleichzeitig vor den Fenstern das Lachen spielender Kinder im Park hören können?“
"Die Blutschule" - Max Rhode - 15. Kapitel - Seite 99



Wie so oft in Büchern von Sebastian Fitzek, findet man auch bei „Die Blutschule“ von Max Rhode das wahre Grauen erst im letzten Satz. In einem Satz, in dem ein wundervolles, romantisches Ende mit einem Ausblick auf eine erfolgreiche Zukunft der Protagonisten doch noch nicht das Ende des Horrors ist. Das Ende des Horrors für den Leser ist erst dann vorbei, wenn die Danksagung beginnt. Denn dann kann man in die eigene Welt wieder eintauchen und sich bewusst werden, dass man eigentlich nur mit Themen beschäftigt ist,  für die Protagonisten, wie Simon oder Mark sehr dankbar wären. Max Rhode in seinem Leben übrigens auch. Denn das Leben des Autors wird durch einen Bestandteil dieses Buches entscheidend beeinflusst. Wer auf diesen Einfluss neugierig ist, sollte sich das neuste Werk von Sebastian Fitzek „Das Joshua-Profil“ unter keinen Umständen entgehen lassen. Das kann man auch ohne „Die Blutschule“ lesen. Aber interessanter und nervenaufreibender ist es, wenn man erst Rhode und dann Fitzek im Original liest.

Sebastian Fitzek ist der Meister des Psychothrillers. Als Max Rhode bringt er nun aber auch mehr und mehr den Horror wieder in deutsche Lesesessel. Zumindest in Meinen.


Infos & Links:





Kommentare:

  1. Gestern habe ich im Buchladen "Die Blutschule" gesehen. Allerdings war "Das Joshua-Profil" für mich auf den ersten Blick leider nicht zu finden. Ich hätte die beiden Klappentexte gerne direkt miteinander verglichen :-).
    Der Klappentext "Der Blutschule" klingt zwar sehr interessant, jedoch bin ich wirklich kein Fan von Horrorbüchern. Ich habe einmal ein Horrorbuch von Stephen King angefangen und war schon auf den ersten Seiten vin dem sinnfreien Gemetzel regelrecht genervt und hatte keine Lust mehr, bis zur eigentlichen Handlung durchzuhalten. Ich glaube aber, dass es in "Der Blutschule" um deutlich mehr Handlung geht, als in dem "King"- Buch, dessen Namen ich mittlerweile vergessen habe :-).

    Eigentlich wollte ich mir "Das Joshua-Profil" vorerst nicht kaufen, da ich von den letzten Fitzek Büchern etwas enttäuscht war, weil sie für mich nicht an die ersten Romane wie z.B. "Die Therapie" "Das Amokspiel" oder "Der Seelenbrecher" anknüpfen konnten. Aber ich merke auch, dass ich zunehmend neugierig auf die Geschichte werde. Ich glaube ich näher mich mal einer Leseprobe an.

    viele Grüße
    Emma

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    1. Guten Abend Liebe Emma :)

      Ich kann mir vorstellen, dass "Das Joshua Profil" in vielen Buchhandlungen schnell vergriffen ist! Zur Sicherheit habe ich es mir direkt vorbestellt. Zumal ich auch unbedingt die Erstauflage wollte.

      Also Sebastian betont ja immer, dass man "Das Joshua Profil" versteht und gut lesen kann, auch wenn man "Die Blutschule" nicht kennt. Dem schließe ich mich an. Verstehen JA, gut lesen JA. Aber wenn man es genießen möchte, wenn man auch kleine Details wieder finden will, dann ist es super, wenn man erst Rhode und dann Fitzek liest. So habe ich es in meiner Rezi ja auch geschrieben. Aber heute beim Lesen ist mir das nochmal sehr bewusst geworden. Man trifft sogar einen alten Bekannten aus AUGENJÄGER und AUGENSAMMLER wieder. Aber das ist nur eine kleine Nebenperson.

      Ich habe heute 223 Seiten von Fitzeks neuem Thriller gelesen. 120 Seiten davon am Stück, ohne einmal hochzuschauen. Das ist für mich Rekord. Sonst waren es mal so 100 Seiten an guten tagen. Aber heute hab ich wenig andere Dinge gemacht. Nur zwischendurch was für meine Oma erledigt.

      Fitzek lohnt sich immer.

      Aber man muss natürlich Thriller mögen und man muss es mögen, ein spannendes und nachdenklich stimmendes Thema vorgesetzt zu bekommen. Und auch wenn man nicht alle Zusammenhänge bis in Kleinste nachvollziehen kann, ist es eine tolle Sache. Aber nun nehme ich meiner morgigen Rezi zu viel vorweg. An der schreib ich gerade. Vielleicht hast du ja Lust, sie mal anzuschauen. Ich spoilere auch nicht, sondern versuche Einblicke in die Geschichte zu geben und bestenfalls Lust darauf zu verbreiten, sich eine eigene Meinung zu bilden.

      Liebe Grüße
      Martin

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  2. Hallo Martin!

    Ich finde deinen Rezensionsstil wirklich sehr interessant und vor allem sehr ausführlich. Wenn ich "Die Blutschule" noch nicht gelesen hätte, wäre ich nun verflucht neugierig. Du hast aber den Punkt in den Büchern von Sebastian Fitzek gut getroffen: er regt immer wieder zum Nachdenken an. Hast du schon Noah von ihm gelesen? Dieses Buch lässt mich seit dem Sommer nicht mehr los.

    Liebe Grüße
    Eva

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    1. Hallo Eva :)

      wow. Danke für das Kompliment. Sebastian motiviert mich aber auch zu Rezensionen. Freut mich natürlich dennoch, wenn die dann auch noch gut ankommen. Eine positive Rezension zur Rezension :) Wenn das nix ist...

      Noah habe ich noch nicht gelesen. Aber sobald ich das nachgeholt habe, wird man hier auf dem Blog auch dazu eine Rezi finden.

      Liebe Grüße
      Martin

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