Sonntag, 24. Januar 2016

Veit Etzold - Der Totenzeichner *Rezension + Interview*



Der Totenzeichner
Veit Etzold

Es ist nicht zu Ende bevor es zu Ende ist


Gelesen: Januar 2016

Allgemeines

Verlag: Bastei Lübbe
Erscheinungsdatum: 16.07.2015
Format: Taschenbuch
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-33404-17229-0
Seiten: 432
Preis: 9,99 €


Foto: Bastei Lübbe


Klappentext:

Ein Leichenfund gibt der Berliner Polizei Rätsel auf. Dem Mordopfer wurden mysteriöse Zeichen in die Haut geritzt, die Clara Vidalis, Expertin für Pathopsychologie am LKA Berlin, bekannt vorkommen. Handelt es sich um kultische Symbole? Als die Obduktion der Leiche weitere grausame Details ans Licht bringt, wird klar, dass es einen ähnlichen Modus Operandi schon einmal gab: Vor zehn Jahren versetzte ein Serienkiller den Westen der USA in Angst und Schrecken. Einen Sommer lang trieb er dort sein Unwesen, bevor er sich mit der blutigen Botschaft verabschiedete: »It’s not over, ’til it’s over«.
Text: Bastei Lübbe

Ein brutaler Thriller mit dem Herz in der Hand

In einigen Rezensionen habe ich vorher schon gelesen, dass Veit Etzold, zumindest in diesem Band, sehr intensive und brutale Szenen beschreibt, dass er sehr ins Detail geht und auch nicht davor zurückschreckt, die aktuelle Politik zu kritisieren. Diese Feststellungen würde ich ohne Weiteres unterschreiben. 

Was der Autor selbst dazu sagt, wie er die Mitarbeit seiner Frau, Saskia Etzold einordnet und welchen Einfluss er auf die Gestaltung seiner Cover hat, das hat er mir in einem Interview am 21.01.2016 verraten. Im Anschluss an das Interview zieht er noch den Gewinner/die Gewinnerin des von mir auf diesem Blog angekündigten Gewinnspiels, an dem ihr sehr zahlreich teilgenommen habt. Deshalb VIELEN DANK an Jeden, der mitgemacht hat. 






An Veit Etzold und seine Frau Saskia Etzold hier noch mal ein dickes Dankeschön. Leider ist der Ton etwas leise, da ich kein externes Mikro anschließen kann und selbst auch nicht sehr laut gesprochen habe. Aber das Interview hat mir viel Spaß bereitet und viele interessante Fakten geliefert.

Wer gern zu diesem und anderen Themen noch mehr Fotos sehen möchte, darf mir gern bei INSTAGRAM folgen. Dort poste ich regelmäßig, was ich so in der realen und auch in der Bücherwelt unternehme. Alles rund um den Blog findet ihr übrigens dort auch unter dem #buchwellenreiter 

Natürlich möchte ich euch nun auch meine ausführliche Meinung zu dem aktuellen Thriller von Veit Etzold nicht vorenthalten.


Ich habe dieses Buch begonnen, als ich auf dem Weg zum 13. Bücher- und Blubberstammtisch nach Stuttgart war. Mehrere Stunden Fernbus. Da ist die eine oder andere Seite fällig. So war es auch. Die ersten 150 Seiten waren weg, als gäbe es keinen Morgen. Und die Fahrt verging ebenfalls, wie im Flug. Auch am Abend im Hotel konnte ich das Buch noch nicht weglegen oder aus meinen Gedanken verbannen. Es war mein erster Fall von Clara Vidalis. Diesen Namen habe ich schon mit Etzold verbunden, als ich noch gar nicht wirklich viel über den Autor wusste. In Frankfurt habe ich ihn dann zur Messe kurz kennengelernt und war mir sicher, dass ich von ihm unbedingt sehr bald was lesen muss. Zum Glück.

Der Schreibstil von Veit Etzold ist sehr flüssig. Er ist einprägsam und äußerst detailreich. "Stellenweise hatte man das Gefühl, dass man es mit einem Lehrbuch über Pathologie zu tun hat." las ich kürzlich in einer Rezension einer anderen Bloggerin. Jedoch ein Lehrbuch, was zusätzlich von einer äußerst spannenden und interessanten Geschichte umgeben ist. Es werden an sehr vielen Stellen Dinge erklärt, geschildert und beschrieben, die vermuten lassen, dass seine Frau Saskia Etzold, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Team von Michael Tsokos an der Charité in Berlin, einen immer größeren Anteil an seinen Büchern hat. Der unverwechselbare Schreibstil von Veit Etzold und die wissenschaftlichen Kenntnisse seiner Frau machen diesen Thriller und damit die gesamte Reihe um das Ermittlerteam des LKA Berlin zu etwas Besonderen in der Bücherwelt.  

Man ist in diesem Thriller direkt mittendrin. Es gibt keine langen Vorreden oder Personenvorstellungen. Die handelnden Protagonisten werden einem während der Geschichte automatisch vorgestellt. Man lernt sie ganz nebenbei kennen, ohne es wirklich zu spüren.

Etzold mag die klaren deutlichen Worte. So macht er auch vor Kritik am Rechtsstaat keinen Halt.
Auf Seite 19/20 hieß es:

„Der deutsche Rechtsstaat war ohnehin dabei, sich selbst abzuschaffen und der Staat warf sein Gewaltmonopol über Bord, wie eine Ladung fauler Kartoffeln. Steuerhinterziehung und Falschparken waren so ziemlich das Einzige, was in Deutschland noch illegal war“

Ist die Polizei im Umgang mit den „schweren Jungs“ zu sanft? Lässt sich unser Exekutivorgan zu sehr auf der Nase herumtanzen? Abschließende Antworten findet man wohl hauptsächlich in den eigenen Gedanken. Nicht aber im Buch. Auch eine aufkommende Kritik am Umgang mit persönlichen Daten bei der Befragung von Hauptbelastungszeugen wird deutlich.

„Die Meldeadresse stand immer in den Gerichtsakten. Auf die hatte auch der Strafverteidiger Zugriff. Und der gab die Adresse dann – zufällig – an die Gang weiter, deren Mitglieder er vor Gericht vertrat. … Ein anderes zeugenfreundlicheres System wäre wahrscheinlich möglich gewesen …“ (Seite 173)

Natürlich muss man hier klar sagen, dass die allermeisten Juristen in Deutschland mit Sicherheit einen guten Job machen und nicht nach diesem System handeln. Aber allein die Möglichkeit, dass Daten weitergegeben werden könnten, zeugt davon, dass Kritik an der einen oder anderen Stelle durchaus nicht abwegig ist. Auch wenn wir es mit den Fällen dieser Reihe ausschließlich mit erdachten und kreativ ausgeschmückten Fällen zu tun haben, die in der Form wohl nicht stattfinden würden.

Ein weiteres Thema, was wohl Berliner mehr beschäftigt, als Ortsfremde, ist der Bau und die Eröffnung des Berliner Hauptstadtflughafens. Dieser kommt gleich an mehreren Stellen des Thrillers vor und wird vom Ermittlerteam gern genutzt, um den Gästen vor Augen zu führen, in welchem Zustand die Hauptstadt sich zurzeit befindet und wie schleppend gerade Großbauprojekte in Berlin von statten gehen.

Diese und mehr Beispiele passen in diesem Thriller aber wunderbar zur Geschichte. Sie wirken an keiner Stelle aufgesetzt oder abwegig. Veit Etzold pflegt sie kreativ in die Geschichte ein und gestaltet dadurch seine Protagonisten lebhafter. Gelegentlich kann die Informationsfülle den Leser jedoch etwas überfordern, wenn er es sich einfach nur mit einem Buch und einem Tee gemütlich machen will. Ich war mehrmals versucht, mir aus dem Buch viel mehr herauszuschreiben, da ich Bedenken hatte, ob ich alles im Kopf behalten könne, was mir Etzold an Wissen vermitteln möchte. Zu wenig Recherche und zu wenig Hintergrundwissen kann man dem Berliner nun wahrlich nicht vorwerfen.

Neben dem fachlichen Wissen über pathologische Hintergründe und die Politik der Gegenwart bekommt man es in diesem blutigen Thriller aber auch mit psychischen Erkrankungen zu tun. Ein Thema, was mich (nicht nur aber besonders) durch dieses Buch interessiert zurückgelassen hat, ist Kannibalismus. Ähnlich wie das Thema Kindesmisshandlung im aktuellen Thriller von Sebastian Fitzek, habe ich auch hier das Bedürfnis, mich intensiver mit dem Thema zu beschäftigen. So gibt es wohl in jedem Roman diese Kernthemen. Manchmal sind sie banal und lassen uns schnell wieder los und manchmal setzen sie sich in unserem Kopf fest und lassen auch dann nicht ab, wenn die letzte Seite zugeklappt ist und das Nachwort uns darüber informiert hat, dass unsere wirkliche Welt viel langweiliger und normaler ist, als der Thriller, den wir hier vor uns haben.

Laut Angaben des Verlages BASTEI LÜBBE ist dieses Buch geeignet für Leser/innen ab 16 Jahren. Ich kenne nicht die Voraussetzungen, die ein Buch / Film erfüllen muss, bevor festgelegt wird, ab welchem Alter er empfohlen oder freigegeben wird. Mit Sicherheit gibt es viele 16 Jährige, die ohne Weiteres solche Bücher lesen können. Es gibt aber auch die Jenigen, die nach dem Lesen im Sessel sitzen und sich nicht mehr vor die Tür trauen, weil sie denken, der Totenzeichner wartet dort, um ihnen das Herz herauszureißen und Runen in die Haut zu ritzen. Wer diese Angst schon beim Lesen dieser Rezi spürt, sollte mit dem Buch noch einpaar Tage warten. Wer jetzt neugierig geworden ist und wer jetzt Lust auf Wissen, Unterhaltung und Spannung hat, der sollte unbedingt zur Buchhandlung seines Vertrauens stürmen und ein Buch kaufen, um es, ähnlich wie ich, verschlingen zu können.

Kleiner Tipp am Rande… wenn ihr das Buch in der Buchhandlung seht und eine helle Hose tragt, dann haltet es vorsichtig. Es könnte Blut rauslaufen.

Das Motto dieses Buches ist der Titel dieser Rezension und für mich gleichzeitig ein Zitat des Monats. Man kann es negativ sehen, so wie es der Totenzeichner gemeint hat, man kann es aber auch als Hoffnungsschimmer und Lebensmotto für die eigene Zukunft sehen.

It´s not over, til it´s over

Infos & Links:





 





Kommentare:

  1. Hallo Martin,

    Sehr schöner Bericht und ein tolles Interview!
    Ich bin leider noch nicht dazu gekommen, den Totenzeichner zu lesen, er liegt noch auf meinem SuB - also das Buch, nicht der Totenzeichner selbst- aber Dein Beitrag macht mir mal wieder deutlich, das ich mich in Bälde mal daran begeben sollte. :-)

    Liebe Grüße

    Anja

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    1. Hallo Anja :)

      DANKE :)

      Auf meinen SUB hat es das Buch gar nicht erst geschafft. Ich habe es im Dezember gekauft und direkt gelesen. Aber auf der Wunschliste war es einige Wochen. Ich bin schon sehr gespannt, was da nächstes Jahr so kommt. Und ein Stand-alone gibt es ja dieses Jahr auch nocht.

      Liebe Grüße
      Martin

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  2. Hallo Martin,

    und wieder ein toller Beitrag von dir!!! Ich beneide dich um das Treffen und Gespräch mit Veit Etzold. Leider hat es vor 2 Jahre nicht geklappt, dass er zu einer Lesung in meiner Nähe kam. Ich mag seinen Schreibstil und die klaren Statements in seinen Büchern und bin schon sehr auf "Todesdeal" & "Skin" gespannt.

    Mach weiter so und es gefällt mir wie dein Blog immer weiter wächst und du ihn mit Leben füllst :)

    Liebe Grüße,
    Uwe

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    1. Hallo Uwe :)

      vielen Dank! Die Lesung war wirklich sehr schön. Gerade auch, weil ich ihn und seine Frau vorher treffen durfte. Das war schon ein Highlight.

      Er ist sicher auch auf der Leipziger Buchmesse dabei. Ob er dort auch liest, weiß ich zwar nicht. Aber da wird er sein. Berlin ist ja auch fast in der Nähe.

      Todesdeal hab ich schon im Regal (und auf dem SUB) und auf Skin bin ich auch schon sehr gespannt. Saskia Etzold hat am Ende der Lesung gesagt, sie freut sich auch schon sehr auf das Buch, denn es spielt eine Rechtsmedizinerin eine entscheidende Rolle. Da darf man ja gespannt sein.

      Vielen Dank für dein Lob. Es freut mich, dass es dir hier gefällt.

      Liebe Grüße
      Martin

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  3. Hallo Buchwellenreiter,

    ein tolles Interview und ein tolles Video :-) Alles toll in Szene gesetzt.

    Viele Grüße Nisnis

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    1. Hallo Nisnis
      Vielen Dank :-) Freut mich, dass es dir gefällt.

      Liebe Grüße
      Martin

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