Mittwoch, 8. Juni 2016

Anne Freytag - Mein bester letzter Sommer *Rezension*



Mein bester letzter Sommer
Anne Freytag

Manchmal steht der Anfang erst am Ende


Gelesen: Mai 2016

Allgemeines

Verlag: Heyne-Fliegt
Erscheinungsdatum: 08.03.2016
Format: Gebundene Ausgabe
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3-453-27012-1
Seiten: 368
Preis: 14,99 €


Foto & Klappentext: HEYNE-Fliegt




Klappentext:

Tessa hat immer gewartet – auf den perfekten Moment, den perfekten Jungen, den perfekten Kuss. Weil sie dachte, dass sie noch Zeit hat. Doch dann erfährt das 17-jährige Mädchen, dass es bald sterben muss. Tessa ist fassungslos, wütend, verzweifelt – bis sie Oskar trifft. Einen Jungen, der hinter ihre Fassade zu blicken vermag, der keine Angst vor ihrem Geheimnis hat, der ihr immer zur Seite steht. Er überrascht sie mit einem großartigen Plan. Und schafft es so, Tessa einen perfekten Sommer zu schenken. Einen Sommer, in dem Zeit keine Rolle spielt und Gefühle alles sind …




Ein Buch mit Freudentränen, Trauer, Wut und einer Liebesgeschichte, die ungeahnte Emotionen auslöst


Ich lese selten Bücher, ohne mich vorher ausführlich zu informieren. Auch in diesem Falle habe ich es so gehandhabt. Bereits wenige Tage nach Erscheinen gab es die ersten Rezensionen dazu. Die allererste war nicht nur positiv. Viele, die folgten, drehten dieses Bild und machten mir einigen Mut, dass es sich um ein richtig gutes Buch handeln könnte. Oft sprachen die, meist weiblichen, Blogger an, dass gerade das Ende sie sehr zu Tränen gerührt habe, dass sie an ganz vielen Stellen kurz aus dem Buch aufblicken mussten, um sich die Folgen des Weinens aus dem Gesicht zu wischen. Mir war bewusst, dass auch mich dieses Buch nicht kalt lassen würde. Aber ebenso felsenfest davon überzeugt war ich, dass ich nicht weinen werde. Ich war noch nie der Typ, der bei Büchern solch arge Gefühle entwickelt, dass es zu Tränen, Angst oder sonstigen Emotionen kommt. Diese Überzeugung hat mich durch das Buch getragen. Sie hat mich, bis wenige Seiten vor Schluss, recht behalten lassen. Und dann kam das Ende, dann kam die letzte Seite, dann der letzte Satz und dann … die Tränen. Anne Freytag hat es also doch geschafft, dass ich bei einem Buch nicht nur nachdenke, nicht nur mein Leben und mein Handeln in Frage stelle, nicht nur Interesse für ein Thema bekomme, sondern auch, dass ich weine. Und dass ein Taschentuch der Begleiter für die nächsten Minuten sein wird.

Dieses Buch hat es in sich. Es lässt dich nachdenken und grübeln, es lässt dich lachen, lächeln, schmunzeln und träumen. Und ganz am Schluss lässt es dich weinen. 






„Mein bester letzter Sommer“ ist das Jugendbuch-Debüt der Autorin Anne Freytag, die Münchnerin hat sich bereits mit Liebesromanen und YoungAdult-Geschichten einen Namen gemacht. Außerdem veröffentlicht sie in der Verlagsgruppe Droemer Knaur auch Romane unter dem Namen Ally Taylor. Diese Romane spielen in den USA und auch dort spielt LIEBE eine große Rolle.

Im Prolog zu diesem Roman lernen wir sehr schnell Tessa kennen und erfahren, dass sie etwas in sich trägt, was ihr über kurz oder lang das Leben aus dem Körper ziehen wird. Inzwischen weiß auch die 17-Jährige selbst, an was sie leidet und wie es um ihre Gesundheit steht. Schlagartig wird ihr bewusst, dass sie im Leben ständig nur gewartet hat. Sie hat auf den perfekten Kuss, auf den perfekten Jungen, auf den perfekten Moment gewartet. Und nun besteht die Gefahr, dass sie all diese Dinge nicht mehr erleben wird, weil das Warten überhand genommen hat. Doch dann taucht er auf. Oskar.

Relativ bald erfährt Oskar, wie schlimm es wirklich um Tessa steht, wie weit die Krankheit schon fortgeschritten ist und wie viel Zeit ihr noch bleiben könnte, wenn es einen optimalen Verlauf gibt. Viele Jugendliche hätten jetzt Angst, würden versteinert im Zimmer sitzen und trauern. Doch Oskar nicht. Er macht Pläne, er zeigt Tessa, wie schön die Welt sein kann, wie toll es sich anfühlt, geliebt zu werden. Er trägt sie auf Händen, schenkt ihr Momente, auf die das Mädchen ein ganzes, kurzes Leben lang gewartet hat und bereitet ihr einen wirklich besten letzten Sommer. Einen Sommer in Italien. Sie fahren nach Mailand, Rom und Florenz, tanzen im Regen, schlafen im Kofferraum seines Autos und verbringen eine gemeinsame Zeit, die niemand so schnell vergisst. Doch dann kommt das Ende, die Tränen und die ganz großen Gefühle.

Die Geschichte wird zu großen Teilen in der ICH-Form aus Tessa´s Sicht erzählt. Diese Erzählform hat mich anfangs etwas verwundert. Ich habe mich gefragt, wie es der Autorin gelingen soll, den Tod eines Menschen in der ICH-Form zu erzählen. Aber wird am Ende überhaupt der Tod stehen? Oder gibt es Chancen, die Hoffnung machen? Ist wirklich jede Hoffnung schon nach dem Prolog verloren? Auch Oskar kommt an manchen Stellen zu Wort. Und an ganz wenigen Punkten lässt er sich seine Verzweiflung anmerken. Jedoch nie so, dass Tessa es spürt oder gar ein schlechtes Gewissen bekommen könnte.

Wie oben schon angesprochen gab es für mich sehr viele Momente, die mich wahnsinnig nachdenklich gemacht haben. Einer dieser Momente war, als ich das folgende Zitat auf Seite 24 gelesen habe:



„Das Leben wird nicht definiert von Momenten, in denen du atmest, sondern von Momenten, die dir den Atem rauben“



Was unser Leben wirklich wert ist, wie wichtig es ist, den Moment zu genießen, Dinge zu tun, auf die wir Lust haben und den Menschen zu sagen, was wir fühlen, das spüren wir erst, wenn es zu spät ist.  Aber dann können wir froh sein, wenn wir einen Oskar haben, der uns zeigt, dass es nie zu spät ist, an das Leben zu glauben oder den Moment zu nehmen und einen Besonderen daraus zu machen.

Ich habe hier ein Buch gelesen, was von Anfang bis Ende einen wahnsinnig tollen, gefühlvollen, sensiblen und dennoch humorvollen, leichten und durchdachten Schreibstil hat. Dass es im Verlag „HEYNE FLIEGT“ erschienen ist, ist sicher ein Omen dafür, dass man durch die Absätze nur so fliegt und am Ende im Sessel sitzt und sich fragt, wo diese 368 Seiten hin sind.

Diesem Roman weniger als 5 Sterne zu geben, wäre für mich undenkbar. Jedoch muss man dieses Buch als das lesen, was es eben ist. Ein Jugendroman. Wären die Protagonisten älter, würde einem an der einen oder anderen Stelle die Weitsicht und die Zukunftsorientierung fehlen. Aber gerade die sind es, die diesem Jugendbuch die Frische verleihen und die mir die Lust am Lesen immer aufrecht erhalten haben.

Wem kann ich dieses Buch nun empfehlen? Wer sollte es lesen?

Die Antwort ist so klar, wie Kloßbrühe … Jeder!

Anne Freytag und ich auf der Leipziger Buchmesse 2016

In ihrer Danksagung schreibt Anne Freytag:

„Martin … es bedeutet mir viel, dass dieser Roman dir so gut gefallen hat!“

Als ich diese Danksagung (dieses Mal wirklich im Anschluss an die Geschichte) gelesen habe, musste ich mir leider klar werden, dass dieser Satz wohl nicht mir galt.

Als ich nach dem Lesen des Buches Anne meine Meinung bei Facebook geschrieben habe (ohne auf die Danksagung einzugehen) schrieb sie mir unter Anderem zurück „Hallo Martin, es freut mich, dass dir der Roman so gut gefallen hat…“ und dieses Mal war es MEIN Satz, dieses Mal war er für mich ganz persönlich.




Falls ihr Lust habt, Anne mal in bewegten Bildern zu sehen, dann schaut euch doch mal den Youtube-Channel an, den sie gemeinsam seit einigen Wochen mit Adriana Popescu führt. Hier bekommt ihr an jedem Freitag ein Video. Immer im Wechsel. Die beiden Autorinnen tauschen sich hier über ganz alltägliche Dinge aus, aber auch über große und wichtige Fragen der Gesellschaft. Ein KLICK lohnt sich mit Sicherheit!



Infos & Links:





 

Kommentare:

  1. Hallo lieber Martin!

    Lange habe ich nicht mehr vorbeigeschaut, aber heute ist es endlich wieder so weit, denn ich war wirklich neugierig, was du zu diesem Buch sagen würdest! Ich bin ja auch nicht so der Typ, der bei Büchern weint (wobei...vielleicht kommt das auch immer auf meine Grundstimmung an?! Ich weiß es gar nicht so genau..zumindest könnte ich mich jetzt spontan nicht an ein Buch erinnern, bei dem ich geweint hätte). Nun, jedenfalls vertrete ich auch die Ansicht, dass ich vermutlich nicht weinen würde. Aber da du schreibst, dass du auch dieser Meinung warst und dann nach dem letzten Satz doch geweint hast...das macht mich neugierig. Ich möchte das Buch ohnehin noch haben und lesen...nun bin ich wirklich gespannt, wie es mir ergehen wird! Wenn ich nicht weine, muss ich mir dann wohl Sorgen machen, was? ;D
    Eine sehr schone Rezension, die mich noch gespannter auf das Buch (und meine Reaktion darauf) macht! :) Sehr toll geschrieben, Martin :)

    Liebe Grüße,
    Laura

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hey Laura :)

      schön, dass du mich mal wieder besuchst :)

      Ich bin wirklich nicht so der Typ, der sofort in Tränen ausbricht. Vorallem nicht, wenn ich weiß, es ist nicht real und es gibt keine realen Vorbilder. Aber am Ende hat mich das Thema so mitgenommen, dass ich total ergriffen war. Ich bin durch die Seiten nur so geflogen und musste unbedingt wissen, wie sich die Geschichte auflöst.

      Wenn du dabei nicht weinen musst, musst du dir keine Sorgen machen. Am Ende wirkt alles auf jeden unterschiedlich. Aber ich denke mal, völlig kalt lassen kann dieses Buch eigentlich fast Niemanden.

      Viel Spaß beim Lesen und danke für deinen tollen Kommentar.

      Liebe Grüße
      Martin

      Löschen
  2. Eine sehr schöne Rezension zum Buch ;)

    Freut mich, das dir das Buch auch so gut gefallen hat wie mir.

    Ich kann das Buch auch jedem empfehlen der gerne Bücher liest, denn dieses sehr emotionale und zu herzengehende Buch muss meiner Meinung nach jeder aber wirklich absolut jeder gelesen haben ;)

    Ps: Aus jeden Tag der man lebt, sollte man das beste darauf machen und seinen lieben so oft es geht sagen, wie gern man sie doch hat.

    lg Rebecca

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Rebecca :)

      DANKE :)

      Ja. Es hat mir wirklich gut gefallen. Und wenn man dann noch die Autorin kennt ... Umso schöner. Ich wollte unbedingt mal was von Anne lesen, seit ich sie in Frankfurt letztes Jahr kennengelernt hab. Und nun hab ich das und war echt begeistert. :)

      Liebe Grüße
      Martin

      Löschen
  3. Huhu Martin,

    ich habe "Mein bester letzter Sommer" auch letzten Monat gelesen und es hat mir gut gefallen. Mir kommen bei traurigen Geschichten ohnehin oft die Tränen und so war es hier am Ende auch. ;)
    Mir hat nur der Anfang des Buches nicht so gut gefallen. Tessa war mir da etwas zu anstrengend (auch wenn sie natürlich ihre Gründe dafür hat) - da merkt man dann schon, dass die Protagonisten noch recht jung sind... Aber ich versuche dann immer mir vorzustellen, wie ich in der Situation und dem Alter reagiert hätte - und das wäre definitiv anders gewesen.
    Trotzdem ein sehr schönes Buch, das mich nachdenklich zurückgelassen hat.

    LG Alica

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Huhu Alica :)

      danke für deinen tollen Kommentar.

      Also, wie ich mit 17 auf solch eine "Neuigkeit" reagieren würde... Ich weiß es nicht. Ich möchte weder an Tessa´s, noch an Oskar´s Stelle stehen. Ich weiß durch ältere Menschen, wie es ist, sie zu verlieren und nix machen zu können. Das ist schon echt hart. Aber wenn es die eigene Freundin ist, die man verliert (und dann noch in dem Alter), da würde ich wahrscheinlich nie im Leben so klar kommen, wie es Oskar geschafft hat. Da ziehe ich echt den Hut vor.

      Liebe Grüße
      Martin

      Löschen
    2. Tessa und Oskar gehen letztlich auch wirklich gut damit um, gerade Oskar. Mir hat nur nicht gefallen, wie Tessa zu Beginn resigniert und v.a. mit ihrer Familie umspringt. Natürlich hat sie im Bezug auf ihre Mutter ihre Gründe, aber sie gibt ihr auch überhaupt keine Chance, sich zu erklären. Für mich wäre so ein Verhalten undenkbar. :)

      Löschen
    3. In ihren Augen hat ihre Mutter ihr Vertrauen missbraucht. Aber auch Tessa merkt nach und nach ja, dass ihre Mutter nur das Beste für ihr Kind wollte (wie alle Mütter immer nur DAS BESTE wollen :D )
      Die Entwicklung, die gerade Tessa in dieser kurzen Zeit gemacht hat, fand ich wirklich bemerkenswert. Dabei wirkte das im Buch alles Andere, als unrealistisch auf mich.

      Löschen
  4. Hey Martin,
    deine Rezension ist sehr ausführlich und hat mir wirklich gut gefallen. Du gehst auf alle wichtigen Aspekte des Romanes ein.
    Zudem gehst du auch auf die kritischen Stimmen ein, von denen ich bisher noch nicht so viel mitbekommen habe.

    Heute habe ich auch schon freudig festgestellt, dass es morgen wieder eine neue Folge von "Jeden Freytag und Popescu" geben wird :-)

    viele Grüße
    Emma

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hey Emma :)

      das freut mich, vielen Dank!

      Ja. Das war mal wieder ein Buch, über das ich einfach viel schreiben musste. Und da es ja kein Thriller war, konnte ich auch etwas mehr auf den Inhalt eingehen, weil die Gefahr von Spoilern da nicht so groß ist.

      Bei Amazon zum Beispiel gab es auch kritische Stimmen. Aber die Positiven überwiegen hier eindeutig.

      Liebe Grüße
      Martin

      Löschen
  5. Hallo Martin,

    eine sehr gute Rezension und ich bin immer wieder begeistert, wie du deine Sätze und Wortwahl triffst. In dieser Rezension spürt man sofort, deine Liebe zu diesem Buch und bisher habe ich auch noch keine schlechten Kritiken dazu gelesen.

    Das Buch habe ich mal auf meine WuLi geschrieben.

    Gruß Uwe

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hey Uwe :)

      vielen Dank!!! für das ganze Lob. Es freut mich, dass die Rezensionen so toll ankommen. Und wenn zudem auch noch die Empfindungen rüberkommen, die man beim Lesen hatte ... was will man mehr :)

      Dann hoffe ich mal, dass es von deiner WuLi bald in deine Leseecke wandert :) Es lohnt sich auf alle Fälle.

      Liebe Grüße
      Martin

      Löschen