Sonntag, 8. November 2015

Sebastian Fitzek - Das Joshua Profil *Rezension*



Das Joshua Profil
Sebastian Fitzek

Du wirst töten, du weißt es nur noch nicht!
Aber einer weiß es … Joshua


Gelesen: November 2015

Allgemeines

Verlag: Bastei Lübbe
Erscheinungsdatum: 26.10.2015
Format: Hardcover
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3-7857-2545-0
Seiten: 430
Preis: 19,99 €


Foto: Bastei Lübbe



Klappentext:

Der erfolglose Schriftsteller Max ist ein gesetzestreuer Bürger. Anders als sein Bruder Cosmo, der in der Sicherheitsverwahrung einer psychiatrischen Anstalt sitzt, hat Max sich noch niemals im Leben etwas zuschulden kommen lassen. Doch in wenigen Tagen wird er eines der entsetzlichsten Verbrechen begehen, zu denen ein Mensch überhaupt fähig ist. Nur, dass er heute noch nichts davon weiß ... im Gegensatz zu denen, die ihn töten wollen, bevor es zu spät ist.
Text: Bastei Lübbe

Auch DU kannst auf Joshua´s Liste landen!

Bevor ich beginne, meine Meinung über das neuste Werk von Bestsellerautor Sebastian Fitzek zum Besten zu geben, erzählt uns der Autor selbst, worum es in „Das Joshua Profil“ geht, beschreibt einige seiner Figuren und sagt, welcher Protagonist aus diesem Thriller ihm am nächsten steht und mit wem er sich gern mal treffen würde.






Der Einstieg in das neue Werk des „German King of Thrill“ beginnt mit 13 Leichen, 11 vergewaltigten Frauen, 7 Verstümmelungen und 2 fast verhungerten Schwestern. Wer nun allerdings ein vor Blut triefendes Buch erwartet, der wird sich in dieser Vermutung nicht bestätigt sehen. Natürlich gibt es Blut, es gibt Action und es gibt Schüsse, die fallen und Menschen, die ihr Leben während der 430 Seiten verlieren. All diese Vorfällte verzweigt der Autor in einen wahnsinnig interessanten Rahmen, der Thriller-Herzen höher schlagen lässt. Trotz all der Geschehnisse steht eine Kernfrage im Vordergrund, die uns Sebastian Fitzek in seinem Nachwort auch noch ausführlich beschreibt. 


„Wollen Sie, dass die Polizei mit modernsten Mitteln der Technik arbeitet, oder nehmen wir lieber in Kauf, einige Verbrechen nicht vorab verhindern zu können, weil die Risiken, dass die Software missbraucht wird, deren Chancen überwiegen?“
"Das Joshua Profil" - Sebastian Fitzek -Nachwort des Autors- Seite 411

Dieser ernsthaften Frage stellt sich der Autor nicht nur in seinem Nachwort, sondern auch mit dem Aufbau seines Romans. Und als Leser, ob man will oder nicht, wird man sich hierzu auch eine Meinung bilden. Diese Meinung hat sich bei mir durch das Lesen auch immer mal wieder leicht verändert.

Fitzek möchte hier, wie auch in seinem Thriller NOAH, nicht mit dem erhobenen Zeigefinger durch Berlin und die Welt laufen, um allen zu zeigen, dass er der Allwissende ist, der die Welt besser machen kann. Er will viel lieber Dinge aufzeigen, über die man als Mensch, aber auch in der Politik mal die Gedanken kreisen lassen sollte, bevor man bestimmte Handlungen vornimmt.

Sebastian Fitzek bei der Lesung unter dem
Motto "Längste Liebesgeschichte der Messe"
auf der Frankfurter Buchmesse2015

Was mir an den Büchern von Sebastian Fitzek auch immer wieder gefällt ist, neben seinen top recherchierten psychologisch ausgefeilten Figuren und dem unverwechselbaren Schreibstil, auch die Quelle an Wissen rund um seine Heimatstadt. In jedem Thriller nimmt er uns mit auf eine Reise durch Berlin, an Orte, die wir so nicht kannten und auch nicht immer für existent gehalten hätten. Wusstet ihr, dass es in Berlin, allein im Stadtgebiet, 34 Inseln gibt? Zahlreiche davon sind unbewohnt und als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Das heißt, es gibt nur sehr wenige Menschen, die Zutritt zu diesen Inseln haben! Das ist natürlich das perfekte Versteck für Untergrundorganisationen. Ich mag die Stadt. Selbst würde ich sehr gern mal in Berlin leben. Und wenn man ganz nebenbei liest, wo Max mit dem Auto lang fährt oder sich gerade befindet, dann hat man sehr schnell ein Kopfkino und fühlt sich selbst, als stünde man dort am Straßenrand und beobachtet das Geschehen.
Der Autor führt uns aber auch an Orte, an die man als normaler Tourist oder Bewohner dieser Stadt nie kommen würde. Sumpfgebiete zum Beispiel. Hier lässt er auch gern mal Familienmitglieder von Max Rhode fast verschwinden, um ihnen dann im letzten Moment doch noch einen Hoffnungsschimmer auf Leben einzugestehen. Auch wenn diesen Hoffnungsschimmer nicht Jeder schätzt.


Am Ende von „Das Joshua Profil“ gewinnt Etwas, was den Sieg in jeder Lage absolut verdient… DAS LEBEN!


Sebastian Fitzek bei einer Signierstunde
während der Buchmesse in Frankfurt 2015

Wie schon bei Passagier 23, hat auch dieses Buch nicht nur ein Ende, sondern mindestens 2 oder 3. Jenachdem, was man als Ende für sich selbst wahrnimmt. Das erste Ende kommt schon 60 Seiten vor Schluss. Jedoch merkt man, dass dieser Moment für ein Ende (auch auf Grund der noch vor uns liegenden Seitenanzahl) noch nicht der Richtige sein kann. Was danach geschieht, ist der Fitzek-Moment. Man wähnt sich in der Ruheposition, denkt, man kann nun den Ausklang genießen und einen positiven Ausblick auf das Leben der Protagonisten erhaschen. ABER Da haben wir die Rechnung ohne den Autor gemacht. Der kommt nämlich noch mit einer überraschenden Wendung um die Ecke, die uns wieder mal vor Augen führt, wie krank und abgrundtief böse ein Mensch sein kann, wenn er mit allen Mitteln versucht, an das Objekt der Begierde zu kommen.










Man lernt aber auch, dass nicht jeder psychisch kranke Mensch ein Monster sein muss. Wie man schon in einigen Vorbesprechungen zu diesem Buch erfahren durfte, handelt es von Max, der sich noch nie etwas zu Schulden kommen lassen hat. Es handelt aber auch von Cosmo. Cosmo ist ein Charakter, der sehr viel falsch gemacht hat in seinem Leben. In diesem Buch von Sebastian Fitzek wird das Thema Kindesmisshandlung ebenso thematisiert, wie in „Die Blutschule“, welches er unter seinem Pseudonym Max Rhode als Horror-Roman geschrieben hat. Der Bruder von Max befindet sich in einem Stadium dieser psychischen Störung, in der es sehr schwer ist, aktiv etwas zu unternehmen, in der der Handlungsrahmen sehr eingeschränkt möglich ist. 

Schätzungen zu Folge, gibt es in Deutschland die schier unvorstellbare Zahl von 250.000 Pädophilen (vgl. u. A. Artikel im SPIEGEL vom 16.07.2012). Nicht alle davon sind Straftäter. Zu diesem wird man, wenn man etwas tatsächlich begangen hat. Die Neigung allein reicht hierfür jedoch noch nicht aus. Für eine ausführliche Meinungsäußerung zu diesem Thema ist es mir jedoch nicht genug, Sebastians Meinung aus dem Nachwort einfach wiederzugeben. Aus diesem Grunde möchte ich in der nächsten Zeit mehr dazu recherchieren und zu gegebenem Zeitpunkt noch später mehr berichten, da ich denke, dass es falsch ist, dieses Thema zu tabuisieren und aus unserer Gesellschaft auszublenden. Es ist ein Thema, was heute aus verschiedenen Blickwinkeln gesehen wird. Sebastian hat im Nachwort zu seinem Buch eine Internetseite (https://www.kein-taeter-werden.de/) genannt, welche ich in dieser Rezension einfach mal in den Raum werfen möchte. Man kann sich dort informieren, man kann sich Hilfe suchen oder einfach nur sie nutzen, um sich selbst eine Meinung zu bilden.


„Ich weiß aber, dass die in der Öffentlichkeit oft getroffene Gleichsetzung >Pädophiler = Straftäter< falsch ist. Nicht jeder Pädophile vergeht sich an Kindern oder konsumiert strafbare Pornographie. Studien zeigen, dass die meisten von ihnen am liebsten von ihren Neigungen befreit würden. Allerdings: Nach allem, was die Forschung heute weiß, ist Pädophilie leider nicht heilbar.“
"Das Joshua Profil" - Sebastian Fitzek - Nachwort des Autors Seite 399/400


Natürlich hoffe ich sehr, dass ich bei der Recherche zu diesem Thema nicht selbst bald Probleme mit Joshua bekomme.

Ich habe die letzten 223 Seiten dieses Thrillers an einem Tag gelesen. Die letzten 120 Seiten habe ich verschlungen, ohne einmal aus dem Buch zu schauen. Das ist für mich ein neuer Rekord. Und ich bin sehr froh, dass ich ihn mit „Das Joshua Profil“ von Sebastian Fitzek aufgestellt habe.

Infos & Links:





Kommentare:

  1. Verdammt! Ich werde immer neugieriger, was es mit dem Joshua Profil auf sich hat. Allerdings muss ich zugeben, dass mich das Thema Pädophilie nur bedingt interessiert. Wusstest du, dass das Thema auch schon bei "Das Kind" von Sebastian Fitzek behandelt wurde?
    Sehr gut an deinem Beitrag finde ich, dass du auch Videos einbindest. Das lockert das Ganze nochmal etwas auf.

    viele Grüße
    Emma

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hi Emma,

      das freut mich, dass ich dich etwas neugieriger machen konnte.

      "Das Kind" hab ich noch nicht gelesen. Aber es gibt Themen, die nie an Aktualität verlieren und von Zeit zu Zeit mal wieder in die Köpfe der Menschen getragen werden müssen. Ein Buch ist dafür immer ein gutes Medium. Erst Recht wenn es von einem Autor kommt, der sehr erfolgreich ist.

      Ich fand das Video passend. Er hat darin viel erzählt, was ich sonst schreiben würde. Aber immer nur Zitate sind ja auch langweilig. Von daher ist es doch toll, den Autor auch mal persönlich zu Wort kommen zu lassen.

      VG zurück !
      Martin

      Löschen