Montag, 7. März 2016

Poznanski & Strobel - Fremd *Rezension*



Fremd
Ursula Poznanski & Arno Strobel

Vergiss mein nicht!


Gelesen: März 2016

Allgemeines

Verlag: Wunderlich
Erscheinungsdatum: 29.10.2015
Format: Broschur
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3-8052-5084-9
Seiten: 400
Preis: 16,99 €


Foto: Wunderlich



Klappentext:

Stell dir vor, du bist allein zu Haus. Plötzlich steht ein Mann vor dir. Er behauptet, dein Lebensgefährte zu sein. Aber du hast keine Ahnung, wer er ist. Und nichts in deinem Zuhause deutet darauf hin, dass jemand bei dir wohnt. Er redet auf dich ein, dass du doch bitte zur Vernunft kommen sollst. Du hast Angst. Und du verspürst diesen unwiderstehlichen Drang, dich zu wehren. Ein Messer zu nehmen. Bist du verrückt geworden?

Stell dir vor, du kommst nach Hause, und deine Frau erkennt dich nicht. Sie hält dich für einen Einbrecher. Schlimmer noch, für einen Vergewaltiger. Dabei willst du sie doch nur beschützen. Aber sie wehrt sich, sie verbarrikadiert sich. Behauptet, dich niemals zuvor gesehen zu haben. Sie hält dich offensichtlich für verrückt. Bist du es womöglich?

Eine Frau. Ein Mann. Je mehr sie die Situation zu verstehen versuchen, desto verwirrender wird sie. Bald müssen sie erkennen, dass sie in Gefahr sind. In tödlicher Gefahr. Und es gibt nur eine Rettung: Sie müssen einander vertrauen...
Text: Wunderlich



Wem kannst du vertrauen, wenn nicht einmal mehr dir selbst?


Ein Wochenende. Drei Abende. Mehr war nicht nötig, um dieses Buch zu verschlingen. Wenige Stunden am Freitag. Unerwartet Viele am Samstag und drei am Sonntag. So schnell war ich in letzter Zeit sehr selten mit einem Buch fertig. So gefesselt war ich allerdings auch selten von einem Buch, was ich in den letzten Monaten gelesen habe.

Als ich es gehört habe, war klar… DAS MUSST DU LESEN. Ein Buch, was von Arno Strobel und Ursula Poznanski geschrieben wurde. Wie sollte solch eine Kombination auch lange auf meinem SUB liegen bleiben? Geht ja gar nicht.

Das Buch wird in der ICH FORM erzählt. Zwei Personen. Abwechselnd. Es gibt Joanna und es gibt Erik. Der weibliche Part wurde von Ursula Poznanski geschrieben, während der männliche von Arno Strobel stammt. In die Geschichte wird man ohne große Einleitung, ohne Prolog und ohne viele Erklärungen direkt hineingeworfen. Man befindet sich sofort in der, im Klappentext beschrieben Stimmung, die Joanna erlebt. Sie ist zuhause, freut sich auf eine ruhige Zeit. Plötzlich verschafft sich jemand Zutritt zu ihrem Haus und ist in der Küche zu Gange. Voller Angst nähert sie sich diesem Zimmer ihres Hauses und muss feststellen, dass ein Mann bei ihr eingebrochen ist, der ihr völlig FREMD ist. Sie kennt ihn nicht, weiß nicht, was er von ihr will und versucht mit aller Macht, ihn aus ihrer gewohnten Umgebung zu verbannen.
Im zweiten Kapitel lernen wir Erik kennen. Erik kommt nach einem stressigen und unbefriedigenden Tag aus dem Büro. Er ist müde, er ist geschafft und er freut sich auf Nichts mehr, als auf eine Umarmung von seiner Verlobten und das wohltuende Gefühl, zuhause zu sein. Als er die Wohnung betritt taucht seine geliebte Freundin plötzlich hinter ihm auf und ist zu Tode erschrocken. Sie erkennt ihn nicht. Sie weiß nicht, wie er heißt und wer er ist. Was er anfänglich für einen Scherz hält, wird schon bald bitterer Ernst und stürzt ihn geradewegs in die wohl schlimmste Woche seines Lebens.

Als Leser fühlt man sich nach dem zweiten Kapitel schon völlig verwirrt. Glaubt man jetzt Joanna? Oder glaubt man Erik? Ist Erik wirklich der Verlobte von Joanna? Oder ist er ein Vergewaltiger? Ein Mann, der auf Geld und Macht aus ist? Oder lauert im Hintergrund Etwas, was Schlimmer ist, als alles, was man sich bisher vorstellen konnte?

Man wird zwangsläufig hin und her gerissen. Irgendwann weiß man gar nicht mehr, was Sache ist und wer Recht hat. Immer wenn man sich in der Nähe eines Anhaltspunkten wähnt, kann man sich darauf verlassen, dass er kurz darauf, meist schon im nächsten Kapitel, wieder verschwindet und sich ein Neuer Verdacht auftut.

Schon beim Lesen der ersten Seiten spürt man, dass hinter dieser Situation mehr steckt, als zwei seltsam wirkende Personen. Und wenn man die Gewohnheiten beider Autoren schon mal in Büchern erlebt hat, weiß man, dass der große Knall erst noch kommt. Und er kommt. Mit voller Wucht. Er trifft dich mitten ins Mark und lässt dich mit einem wahnsinnig beklemmenden Gefühl zurück, sobald der Epilog mit dem Wort ENDE abgeschlossen ist.

FREMD spart nicht. Es spart nicht an großen Gefühlen. Es spart nicht an Krawall. Es spart nicht an Dramatik, psychischen Grenzerfahrungen und seelischer Grausamkeit. Und es spart auch nicht an diesem ganz besonderen Gefühl, was man beim Lesen von Thrillern immer wieder in sich trägt. ANGST.

Es vebirgt sich zwischen den Seiten aber auch eine wahnsinnige Aktualität. Es wird ein Thema aufgegriffen, was uns bis ins Tiefste unserer Vorstellungskraft erschüttert und uns am Ende mit der Hoffnung zurücklässt, dasss das Beschriebene zwischen den Seiten dieses Buches bleibt und nicht den Weg in unsere Realität findet. 

Foto: HP Merten Fotodesign
Foto: Jeff Mangione
Wenn man die Passagen liest, die Arno Strobel geschrieben hat, dann spürt man sehr oft seine Experimentierfreudigkeit. Er wagt sich in Gebiete vor, die er bisher schriftstellerisch noch nicht ausgeschöpft hat, versucht Elemente hineinzubringen, die es dem Leser schwer machen, das Buch in ein Genre einzuordnen, zu wissen, ob man es gut oder eine Spur zu übertrieben findet. Und dennoch weiß man, dass man mit ihm immer auf das richtige Pferd setzt, weil die Spannung zum Greifen nah ist und die Entspannung noch Kilometer entfernt.
Bei den Kapiteln, die aus der Feder von Ursula Poznanski stammen, findet man dieses Atmosphärische wieder, was ich schon bei LAYERS bewundert habe. Dieses Talent, Stimmungen einzufangen, alles Unwichtige herauszufiltern, bis nur noch das nackte Grauen im Kopfkino übrig bleibt.

Nun liegt dieses Buch neben mir auf dem Schreibtisch und in mir steigt das Bewusstsein auf, dass es nun vorbei ist. Morgen werde ich keine 100 Seiten darin lesen können. Morgen werde ich mein Leben wieder ohne FREMD-Einflüsse angehen müssen. Aber es schwingt auch Vorfreude mit. DENN… Das Duo Poznanski & Strobel wird auch weiterhin gemeinsam schreiben. Es wird wahrscheinlich schon am Ende dieses Jahres ein neues Werk der Beiden zu bewundern geben. 


Foto: Gaby Gerster



Aber noch aus einem anderen Grund schwingt Vorfreude mit. Am Ende dieser Woche, um genau zu sein, am Samstag (12.03.2016) werde ich bei einer Lesung der Beiden dabei sein. Sie findet im Rahmen der Stuttgarter Kriminächte statt. Außerdem wird sich an diesem Tag auch der Stuttgarter Bücher- und Blubberstammtisch treffen. Auf das Zusammentreffen freue ich mich schon seit dem 09. Januar um ca. 22 Uhr. Zu dieser Zeit habe ich die Mitglieder zum bisher letzten Mal gesehen. Und am Wochenende gibt es ein Wiedersehen. Anka (Ankas Geblubber) hat sich wieder ein tolles Programm überlegt. Wir gehen essen, treffen Autoren, wichteln und lernen Enie van de Meiklokjes kennen.

Mehr Infos zum Stammtisch findet ihr, wenn ihr *HIER* klickt. Wollt ihr auch mal dabei sein? Dann könnt ihr die Facebookseite liken und werdet erfahren, wann der Nächste stattfindet. 

Und zum Schluss einer jeden Rezi die Frage, die uns alle am meisten beschäftigt… SOLL MAN DIESES BUCH UNBEDINGT LESEN? KANN MAN ES EMPFEHLEN?

Meine Antwort könnte klarer nicht sein. … YES WE CAN!!!

Allen Thriller-Fans, die dieses Buch nicht lesen wollen, kann ich nur sagen … SORRY. ABER IHR SEID SELBST SCHULD!!

Ich wünsche euch viel Spaß mit diesem Buch. Und falls ihr euch fragt, wem ihr vertrauen könnt, wenn nicht einmal mehr euch selbst … Niemandem!! Dann müsst ihr hoffen, dass der Mensch, der euch liebt, die Wahrheit sagt. Dass er zu euch steht … und zur Not auch sein Leben für eures hergeben würde!

Infos & Links:






Kommentare:

  1. Huhu
    danke für deinen Buchtipp, sowie auch für das Lob :) Das tat gut :).
    Ich mag Ursula Poznanski total gerne, allerdings bei Layers war ich etwas unzufrieden.
    Aber sie ist schon eine tolle Autorin.
    Bei Fremd das hab ich noch nicht gelesen, mal sehen, wann es bei mir in der Bücherei sein wird.

    Also wenn das so weiter geht, das mehrere das Buch: All die schönen Dinge toll finden, muss ich mir ja glatt ein Gewinnspiel dazu ausdenken :D
    Liebe Grüße
    Nicole

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    1. Hey Nicole :)

      danke :) Ja ich find sie auch toll. Von ihr geht immer irgendwie eine besondere Energie aus. Ich hab sie in Stuttgart beim Bücher- und Blubberstammtisch im September ja schon kennengelernt (siehe Link bei INFOS UND LINKS). Wir haben uns kaum unterhalten können. Aber zugehört habe ich ihr und wenn sie erzählt, dann hört man einfach gern hin. Und wenn sie schreibt ... liest man gern. Zumindest ich.

      Gewinnspiele sind immer cool.
      Das Buch "All die schönen Dinge" klingt jedenfalls sehr interessant. Und dank dir, wird es wahrscheinlich auch bald hier einziehen. :)

      LG
      Martin

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    2. Das ist ja toll dass du die Möglichkeit hattest :)
      Stuttgart ist eh eine total schöne Stadt :) Sie hat für mich eine sehr kostbare ERinnerung, vor 5,5 Jahren fing dort wieder mein Leben an :)
      Liebe Grüße

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    3. Am Samstag treffen wir das Duo auch in Stuttgart. Wenn du Lust hast, musst du dich noch schnell bei Anka anmelden. Für die Lesung gibt es keine Karten mehr. Aber beim Essen mit den Autoren oder der Buchvorstellung von Enie van de Meiklokjes kannst du sicher dabei sein.

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  2. Hallo! :)
    Also ich fand "Fremd" total enttäuschend. Die erste Hälfte war wirklich überzeugend, aber ab der Explosion am Hauptbahnhof war mir das ganze einfach zu unrealistisch und verschwörungsmäßig. Ein bisschen Hollywood-Blockbuster-Stil. Und das Ende fand ich insgesamt auch nicht 100%ig schlüssig, da Joanna ja bereits im Urlaub mit Erik hypnotisiert wurde, obwohl dieser zu der Zeit noch nichts vom Projekt Phoenix wusste und eigentlich gar keine Gefahr dargestellt hat...

    LG
    Peter
    www.petersbuecherkiste.blogspot.de

    Vielleicht hast Du ja noch Lust meine Rezi zu lesen? :)

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    1. Hallo Peter :)

      ja. Ich hab deine Rezi vorhin schon kurz gelesen, weil ich die Meldung bekommen habe, dass du bei FB sie auch in die Gruppe gestellt hast.

      Schade, dass dir das Buch nicht so gefallen hat. Es ist die Art, sowohl von Ursula Poznanski, als auch von Arno Strobel, sich besondere und spektakuläre Enden einfallen zu lassen. Das kann auf manche Leser natürlich auch etwas überspitzt wirken. Ich finde es gar nicht schlecht, dass auch von Autoren aus Europa actionreiche Stellen geschrieben werden, die man sonst eher von amerikanischen Autoren kennt. Und gerade auf DIESE Auflösung wäre ich nicht gekommen. Allerdings habe ich zwischendurch schon immer mal überlegt, wie es enden könnte und welcher der zwei Protagonisten am Ende vielleicht doch kein Aufrichtiger war.

      Die Spoiler im Kommentar überlesen hoffentlich die Jenigen, die das Buch noch nicht gelesen haben :) Obwohl ich finde, dass ein Buch dieser Autoren sich auch lohnt, wenn man schon über das Ende Bescheid weiß, weil es einfach einen überzeugenden und spannenden Schreibstil hat.

      LG
      Martin

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